Der einzige Whisky, der kalt getrunken werden darf (aber nicht sollte)

  

 

Der Dalwhinnie Winters Gold ist ein Highland Malt, der laut Angaben des Unternehmens kalt getrunken werden soll. Das konnten wir so nicht einfach hinnehmen und gingen der Sache auf den Grund.

 

 

Zuerst sollte jedoch gesagt werden, dass es keine Neuheit ist einen Winter Whisky zu vermarkten. Den Glenfiddich Snow Phoenix oder den Snow Grouse gibt es bereits länger. Aber bislang wagten sich Destillerien nicht an das Novum, den Whisky aus der gefrorenen Flasche zu trinken. Was hat es damit auf sich und warum gerade Dalwhinnie?

 

Um das beantworten zu können muss man wissen, dass Dalwhinnie mit 326 Metern über dem Meeresspiegel die höchste Destillerie Schottlands ist. Naja eigentlich die zweithöchste, da Braeval noch etwas höher liegt. Diese vertreibt allerdings nicht in eigenem Namen, daher kennt sie kaum jemand. Durch diese Lage kann es, im Gegensatz zu weiten Teilen Schottlands, gut auch mal zu Minusgraden kommen. Das wissen noch viele und es ist eigentlich noch keine wirkliche Besonderheit. Schon interessanter wird es wenn man weiß, dass Dalwhinnie riesige, hölzerne Worm Tubs vor dem Gebäude stehen hat. Diese dienen zum Herabkühlen des noch heißen Destillats. Da sie sich außen vor dem Gebäude befinden gilt, Je niedriger die Außentemperatur, desto niedriger auch die Temperatur des Kühlwassers in den Worm Tubs. Das ist nun die Besonderheit im Prozess, die den Dalwhinnie Winters Gold einmalig macht: Bei winterlichen Temperaturen kühlt das Destillat in den nicht selten schneebedeckten Worm Tubs wesentlich schneller ab als im Sommer und reagiere deshalb wesentlich weniger mit dem Kupfer der Kühlschlangen. Ein Effekt, der sich im Aroma des zukünftigen Whiskys dann bemerkbar mache. So die Idee. Zur Frage, ob Kupfer wirklich einen Einfluss auf den Geschmack hat scheiden sich jedoch die Geister. Natürlich wird der Dalwhinnie Winters Gold ausschließlich im Winter destilliert und in Fässer abgefüllt.

 

 

Die Empfehlung von Diageo (der Firma hinter Dalwhinnie) ist nun, den Whisky aus der gefrorenen Flasche in einen gekühlten Tumbler zu gießen und zu genießen. Dem Whiskykenner fehlt eigentlich nur noch der Vorschlag den letzten Rest Geschmack mit Eiswürfeln zu zerstören. Aber das war wohl sogar Diageo zu radikal. Wir haben den Selbstversuch gemacht. Die maßgebliche Erkenntnis ist, man sollte es probiert haben. Dalwhinnie hat hier einen guten und besonderen Whisky geschaffen. Man kann ihn durchaus, wie vorgeschlagen trinken, sollte ihn aber auch auf Raumtemperatur aus einem Nosing Glas probiert haben. Letztere Variante gefiel uns übrigens besser, aber man soll ja aufgeschlossen sein. Egal ob warm oder kalt getrunken, Dalwhinnie hat es geschafft einen Mini-Hype auszulösen und ihr Markenzeichen herauszustellen. Dalwhinnie ist und bleibt die höchste und damit kälteste Destillerie Schottlands und mit dem Winters Gold haben sie ihr eigenes kleines Denkmal gesetzt. Wir sagen „Chapeau“ und „Slàinte“!