St. Kilian Distillers – Kleine Spirit Verkostung

St. Kilian Brennerei Rüdenau

Die St. Kilian Brennerei aus Rüdenau brennt seit 2015 nach klassischem Vorbild. Obwohl die ersten echten Whiskys mit einer Reifung von mindestens drei Jahren erst 2018 zu erwarten sind macht die Brennerei schon heute mit ihren hochwertigen Spirits auf sich aufmerksam. Schon um 2013/2014 lasen wir von einem sehr großen Vorhaben „irgendwo“ in der Nähe von Frankfurt am Main. Doch im immer noch anhaltenden Boom des deutschen Whiskys fiel es uns erst nicht weiter auf. Erst als uns vor einigen Monaten ein aufgeweckter und findiger Tasting Gast von einem gut getorften Spirit von der St. Kilian Brennerei berichtete hatten wir sie wieder auf Schirm. Wie immer hieß es also: Probieren geht über Studieren, ein paar Miniaturen mussten her!

 

Vorweg muss man sagen, dass wir immer noch mit einiger Skepsis an New Make Abfüllungen herantreten. Auf dem Markt tummeln sich leider einige Negativbeispiele aus den inzwischen weit über 100 kleineren, deutschen Brennereien. Aber, wir leben nach dem Motto: „Vorurteile muss man sich wegtrinken“ (Zitat: Ich). Und wir wurden hier eines besseren belehrt. Alle drei Spirits sind von hervorragender Qualität, es wurden offensichtlich hochwertige Produkte verarbeitet und das Ergebnis ist hoch-professionell. Wir wissen noch nicht viel von dieser Brennerei und waren (noch nicht) vor Ort, aber es machte mal wieder riesigen Spaß über den Geschmack Rückschlüsse zu ziehen. So hingen wir uns u.a. am Thema der Anzahl der Destillationsvorgänge auf. Hierfür ist zum Glück eine Miniatur des White Dogs mit exakt 63,5% Vol. dabei (siehe hierzu unseren Beitrag zu Cask Strength Whisky). Zum einen erscheint uns das Destillat sehr weich, was für eine dreifache Destillation spräche. Zum anderen ist er aber auch sehr ausdrucksstark und man schmeckt intensive Noten von Birne und eine tolle Süße. Dazu noch relativ wenig medizinischer Geruch im Nosing, daher spekulieren wir letztlich auf eine zweifache Destillation. Fazit des White Dogs (63,5% Vol.): Intensives Nosing, für einen New Make wenig medizinisch, bereits leichte Süße in der Nase. Im Geschmack kommt die Süße dann voll durch und geht über in einen deutlichen Geschmack von Birne. Das fruchtige Aroma bleibt im Abgang erhalten. Wir würden uns wünschen, dass es der White Dog in Ex Bourbon Fässer schafft. Wir könnten uns gut vorstellen, dass ein Bourbonfass aus der bestehenden, fruchtige Grundsüße etwas ganz tolles macht und die Basis mit Aromen von Honig und Vanille weiter anreichert.

 

Bild von www.stkiliandistillers.com/produkt/turf-dog-499/
Bild von www.stkiliandistillers.com/produkt/turf-dog-499/

Dann war da noch der Turf Dog! Wow! Damit haben wir nicht gerechnet! Wir sind alle Stammgäste auf Islay und lieben rauchige Whiskys. Dies auch ein Grund weshalb wir uns vor allem bei schottischen Whiskys zuhause fühlen (mit Ausnahme des hervorragenden Connemara aus Irland). Aber an einen solch rauchigen Vertreter aus Deutschland konnten wir uns ad-hoc nicht erinnern. Auch hier kommt neben dem starken Raucharoma eine tolle Süße durch. Ganz sicher wurde hier nicht mit der Menge an astreiner Gerste gespart als die Maische angesetzt wurde. Auch und besonders beim Turf Dog würden wir uns über ein Ex Bourbon Fass freuen.

 

Wir fassen zusammen: Alles sehr verheißungsvoll und definitiv eine Bereicherung für die Whisky Welt. Gerne würden wir die Zeit etwas vordrehen und die ersten 3-Jahre-Plus Whiskys von St. Kilian Distillers verkosten. Bis dahin schaffen wir es sicher einmal zu einem vor Ort Besuch, denn nachdem wir Rüdenau in Google eingaben stellte sich heraus, dass Rüdenau genauso weit von Frankfurt entfernt ist, wie von Würzburg :-).