Wer hat Whisky erfunden

Whisky: Wer hat‘s erfunden? Die Schweizer!?

 

 

Seit jeher wird diese Frage heiß diskutiert. Eines ist jedoch klar, es waren diesmal nicht die Schweizer, auch wenn hier Kräuter tatsächlich eine Rolle spielen. Insbesondere Iren und Schotten beanspruchen diesen Meilenstein für sich. Fakt ist jedoch, man kann es nicht eindeutig belegen. Dies liegt insbesondere an der Definition von Whisky (oder früher Uisce beatha): 

 

 

Würde man die frühen Anfänge des Destillierens zur Herstellung von Uisce beatha als „Startpunkt“ festlegen so ginge der Kelch vermutlich nach Irland. Wahrscheinlich waren es irische Mönche, welche die Kunst des Destillierens in die westliche Welt brachten. Aber so gesehen hätten die Iren dies nicht erfunden, sondern lediglich importiert. Dies brächte besagten Kelch in den Nahen Osten, wo die Kunst des Destillierens vermutlich erfunden wurde, obgleich auch für Parfum und Medizin. Unter dieser und der weiteren Prämisse, dass auch Destillate aus Kräutern und Wurzeln bereits Whisky wären (fehlende Gesetze zu dieser Zeit) wären also weder Schotten noch Iren die Erfinder, sondern das Morgenland. 

 

Interessanter wird es, wenn man eine erste Definition von Whisky ins Spiel bringt. Und zwar, dass Getreide die Grundlage der Maische sein muss. Obwohl die Iren vermutlich auch hier früher dran waren, kann dieser Kelch nur nach Schottland gehen. Dies liegt daran, dass die Schotten das erste Schriftstück in welchem von Uisce beatha aus Gerste die Rede ist, vorweisen können. Dieses Schriftstück aus dem Jahre 1494 kann heute noch in Schottland bewundert werden. Hier endet die Frage des Ursprungs leider immer noch nicht! Wenn nun die ersten offiziellen Beauftragungen zur Herstellung von Whisky und den damit verbundenen Lizenzen zur Herstellung von Whisky die Grundlage bilden, geht der Kelch wiederum doch nach Irland. Warum? Ganz einfach: Die erste Lizenz zur Herstellung von Whisky ging im Jahre 1608 in das Städtchen Bushmills (Nordirland). Obgleich man von dortiger Küste an klaren Tagen bis auf die Insel Islay (Schottland) schauen kann, waren dortige Brennereien erst ca. 200 Jahre später "legal" unterwegs.

 

Die Frage "wer ist der Erfinder von Whisky" kann also nicht eindeutig beantwortet werden. Vielmehr ist es eine Frage der Definition, ab wann Whisky nach unserem Maßstab die Bezeichnung Whisky verdient. 

 

Komischerweise ist - zumindest nach unserer Wahrnehmung - die führende und bekannteste Definition die, dass Whisky mindestens 3 Jahre reifen muss. Kaum jemand weiß jedoch, dass genau dieser Teil erst relativ spät festgelegt wurde und eigentlich dazu diente der Branche einen herben Hieb zu versetzen. Dieses Gesetz war eine Erweiterung der bestehenden Gesetze, einige Jahre nach dem legendären "What is Whisky Case". 1909 wurde festgelegt, dass nur (jedoch jedes) Getreidedestillat für die Whiskyherstellung verwendet werden darf, sowohl in Pot Stills als auch in Column still. Im ursprünglichen Gesetz waren es übrigens auch nur 2 Jahre Reifezeit und schottische Beamte, welche der Whiskyindustrie schaden wollten, führten dieses Gesetz ein ohne zu wissen, dass dies eine exzellente Auswirkung auf den Geschmack haben sollte. Ironischerweise hat dies dem Getränk den entscheidenden Turbo verliehen und Whisky zu dem Genussgetränk gemacht, das es heute ist. 

 

Egal wo Whisky herkommt können wir froh sein wohin er sich entwickelt hat. Wie so oft ist es Definitionssache und je nach Auslegung darf „DER KELCH“ nach Irland (erste Lizenz), Schottland (erstes Schriftstück) oder ins Morgenland (erste Distillen) gehen. Die Frage sollte auch nicht sein "wer war der Erste" sondern "wer macht den Besten". Aber spätestens hier wird es von der Definitionssache zur Geschmackssache und das ist doch das worauf es uns ankommt.